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Warum ist es nie genug?

(Begegnung und Erfahrung des Sammelns)

Das ganze Leben lang sammelt der Mensch. Und jagt. So teilt man typologisch die einzelnen Menschen in diese Kategorien ein: Sammler und Jäger. Heute schauen wir uns (nach kurzem Betrachten des Jägers) den Sammler etwas genauer an. Vor allem seine unselige Angewohnheit, dass es nie genug ist, was er sammelt. Und er uns alle damit ins Unglück stürzt.

Zu sammeln ist evolutionsgeschichtlich betrachtet zunächst hochgradig sinnvoll. Früh beginnt der Homo Sapiens Vorräte anzulegen für jene Zeit, da Mangel herrscht. Schlicht, um zu überleben. Das Sammeln von Nahrung und Energie stellt von je her eine zentrale, eine überlebenswichtige Aufgabe dar für den Einzelnen, speziell auch für die Gruppe, die Mitglieder haben kann, die selbst nichts mehr oder nur wenig beitragen können für den Erhalt der Gemeinschaft.

Schon früh kommt es zur Aufgabenteilung innerhalb der Gruppe. Der Mann, stärker und größer gebaut, eignet sich besser zur Jagd, weibliche Wesen besser für häusliche und landwirtschaftliche Aufgaben. Wie sagenhaft effizient und klug die Natur auf diese Aufgabenteilung reagiert, können wir noch heute – eben als Ergebnis der Evolution – an uns selbst feststellen. Nehmen wir beispielsweise unsere Augen. Beim Mann haben sich aufgrund der Aufgabenstellung die sogenannten „Stäbchen“ deutlich ausgeprägter entwickelt als bei der Frau (er mußte jagen, auch bei wenig Licht). Stäbchen sind – ausgestattet mit mehr Nachtsehpigmenten – zuständig für Hell-Dunkel-Sichtigkeit und befähigen daher Männer nachts besser zu sehen als Frauen. Sicherlich haben Sie schon oft gehört oder erlebt, dass eine Frau sagt: Nein, nachts fahre ich nicht oder ungern und dann lass es noch regnen …

Aber die Natur wäre nicht die Natur, hätte sie hier nicht einen Ausgleich geschaffen. Haben Sie schon mal eine farbenblinde Frau gesehen? Sehen Sie! Die gibt es so gut wie nicht, denn bei Frauen haben sich die, für das Farbsehen zuständigen, sogenannten „Zäpfchen“ deutlich ausgiebiger entwickelt als beim Geschlecht Mann.  Und so haben das Thema Rot-Grün- oder Farbenblindheit, ausschließlich die Männer übernommen. (man spricht von 6% aller Männer).

Genauso hat es der Natur gefallen, daß wir Menschen früh diesen ausgeprägten Sammeltrieb entwickelten, der sich früh auf das Wesentliche (eben Nahrung und Energie) beschränkte, sich aber bis heute zu einem unsäglichen und todbringenden Wahn entwickelt hat. Ging die Urzeitfrau noch mit selbstgenähten Lederbeutel in den Wald und in die Fluren, um Kräuter und Beeren zu sammeln, die zur Ernährung der Sippe dienten, streifen wir heute mit allen erdenklichen Methoden und Speichermöglichkeiten durch den Tag und versuchen ständig Dinge anzuhäufen, die wir häufig nicht benötigen oder die wir schlicht anderen Menschen stehlen.

Mehr und mehr rücken hier Ressourcen wie Wasser, Strom, Getreide, Fleisch, Gas, Metalle etc. in den Vordergrund. Doch eines nach dem anderen.

Fast jeder Mensch sammelt, bewusst oder unbewusst, irgendetwas. Und das geht in den meisten Fällen deutlich über das hinaus, was man zum Leben benötigt. Je nach Alter und wirtschaftlicher Möglichkeit sammelt der Mensch. Von Matchboxautos und Puppen, über Trophäen und Wertgegenstände, über Gemälde und alte Bücher, über Kaffeemühlen und Porzellan, über Briefmarken und Tiere gelangen wir bis zum Oldtimer oder Schmetterling. Es gibt nichts, was nicht gesammelt wird. Und das ist fatal.

Denn einige ganz böse und skrupellose Exemplare der Spezies Mensch sammeln – und das mit allen Mitteln – Dinge, die ihnen nicht gehören. Diese Menschen heißen Könige, Kaiser, Ministerpräsident, Führer oder Präsident. Aber durchaus aus CEO oder Generaldirektor.

Und bei denen ist die Sammelleidenschaft quasi entartet. Besser: sie leben den zutiefst menschlichen Drang nach immer mehr Besitz (materiell oder immateriell (Beispiel Macht)) exzessiv und übersteigert aus. Ein Mensch, der im Schlaf-oder Jogginganzug zum Brötchenkaufen geht (sagte Karl Lagerfeld) hat die Kontrolle über sich verloren.  Ein Mensch, der einen Kunstdiebstahl in Auftrag gibt, um ein gewisses Bild seiner Sammlung hinzuzufügen, ein Mensch, der andere Völker überfällt, um sich deren Territorium einzuverleiben oder fremde Bodenschätze zu stehlen, ist schlicht krank. Das behaupte ich.

Und so litten und leiden Alexander der große, Napoleon, Hitler und aktuell der bedauernswerte Putin alle an der krankhaften Sammelsucht. Alle genannten und ihre Mitmenschen hätten in Frieden und auf dem Wege, viele Alltagsdinge zu verbessern, wunderbar, angefüllt mit unglaublich interessanten Themenfeldern, leben können. Aber nein, man muß andere Länder überfallen, leid und Elend über ungezählte Menschen und Gegenden bringen, obwohl man aus der Geschichte weiß, dass das alles keinen Bestand haben kann. Die Unfähigkeit aus der Geschichte zu lernen ist ein dramatischer und höchst ärgerlicher Teil der Evolutionsgeschichte des Menschen. Denn ich bin sicher, dass Putin die Geschichte von Hitler, Alexander und Napoleon kennt. Aber trotzdem versucht er, sein Sammlermütchen an der Krim, der ganzen Ukraine – ich bin fest überzeugt in seinem Kopf noch in weiteren Regionen – zu kühlen. Das kann und wird nicht gut gehen, erstrecht nicht in Zeiten, da seine Gebeine längst unter der Erde oder seine Asche in irgendeiner Urne vergammeln.

Ein Menschenleben ist geschichtlich gesehen ein solch unbedeutendes Ereignis im Laufe des Universums, dass sämtliche Mittel versagen, diese Bedeutungslosigkeit auszudrücken. Niemals wird das Universum da draußen erfahren, was für eine traurige, hilflose Gestalt ein Vladimir Putin ist. Und trotzdem versucht er unvermindert und grausam, brutal und sich über alle Menschlichkeit hinwegsetzend, weiterhin zu sammeln. Verstehen kann man das in der Konsequenz nicht, aber die Mühe macht sich ja auch kaum einer.

Aber es gibt durchaus auch schwachsinne Sammler, die sich zusammentun, um auf geschäftlichem Terrain eine unerklärliche und schadenbringende Sammelleidenschaft auszuleben. Zu diesen Umnachteten gehört sicherlich der Vorstand des Industriegiganten Bayer in Leverkusen, die entgegen jeder Vernunft und jeder Warnung ungezählte Milliarden versaubeuteln, Aktionäre berauben und für dieses hart verdiente Geld einen umstrittenen Pestizidhersteller erwerben, der die eigene Firma in jahrzehntelange, verlustbringende juristische und moralische Katastrophen stürzt.

Aber man hatte die Vision, sich ein Sammlerdenkmal zu setzen. Das Lustige an der Geschichte ist quasi eine Zugabe, ein Bonusmaterial im wahrsten Sinne des Wortes: Die Verantwortlichen verdienen sagenhafte Millionengehälter, anstatt ins Gefängnis zu kommen wegen Betrugs. Das ist einmal Sammlerleidenschaft in moderner Reinkultur und ein prächtiges Beispiel für Sammelleidenschaft-Entartung!

Warum ist es nie genug? So lautete ja unsere Eingangsfrage. Ja, warum eigentlich? Was treibt uns an, einen weiteren Porsche zu kaufen, ein weiteres Haus, eine weitere Firma, einen weiteren alten Meister, einen weiteren Diamanten? Muss es der nächste Urlaub wirklich sein? Der bessere Computer, die neue Uhr (ein Paradebeispiel der Sammlerleidenschaft)?

Nun, es gibt natürlich eherne Ansätze und durchaus nachvollziehbare Gründe für ein ausgeprägtes Sammeln. So der Erhalt der Familie, die beste materielle Ausstattung für die Nachkommen etc.. . Wobei auch das sehr häufig zum Scheitern verurteilt ist. Gerade in unseren Tagen wandern viel alte Familienunternehmen, quasi deutsche Industriegeschichte, in die Hände von chinesischen oder anderen internationalen Konzernen, und so manches Gebäude verliert den langjährigen Besitzer, da sich die Erbengemeinschaft nicht einig werden kann. Lange gesammeltes Gut wird zerschlagen und neue Sammler kommen ins Spiel, das so aufs Neue beginnt!

Mehr zu wollen und mehr zu sein. Offensichtlich eine alte Triebfeder, die wir gleichsam als Preis für unser Entwicklung mitakquiriert haben auf dem Weg von der Höhle in den Wolkenkratzer.

Der legendäre Dr. Prätorius (dargestellt von dem ebenfalls unerreichten Kurt Götz) suchte ja nach der Mikrobe der Dummheit. Leider verunglückte er tödlich. Just in jenem Moment, als er glaubte, sie gefunden zu haben. Schade. So bleibt die Eingangsfrage wohl noch länger unbeantwortet und wir müssen es einfach hinnehmen, dass wir zwanghaft sammeln.

Versuchen wir einfach, unsere Sammlerei so zu leben, dass wir niemandem dabei weh tun.

Ihr 

Gehobmidochgern

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